EXPERIMINTA
EXPERIMINTA
EXPERIMINTA – Wissenschaft zum Anfassen vor Bockenheims Haustür
Ein Museum, in dem Anfassen ausdrücklich erwünscht ist? In der EXPERIMINTA gehört das sogar zum Konzept. Seit 2011 lädt das ScienceCenter in der Hamburger Allee dazu ein, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik nicht nur anzuschauen, sondern selbst auszuprobieren. Rund 200 Experimentierstationen auf vier Etagen machen aus abstrakten Formeln und physikalischen Gesetzen Erfahrungen, die man sehen, hören, fühlen – und manchmal am eigenen Körper erleben kann.
Forschen statt nur zuschauen
Was passiert mit Sand auf einer schwingenden Chladni-Platte? Wie fühlt sich ein Fakirbett an? Wie lässt sich mit eigener Muskelkraft Energie erzeugen? Was geschieht im Zentrum unserer Milchstraße? Die Dauerausstellung reicht vom Knobelraum über optische und akustische Phänomene bis zu einem Modell des Schwarzen Lochs Sagittarius A*. Ein riesiges Auge gehört ebenso zu den markanten Stationen wie das Energie-GoCard.
Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: selbst handeln und dadurch begreifen. Die Besucherinnen und Besucher können Hypothesen ausprobieren, Fehler machen, noch einmal versuchen und dabei entdecken, wie naturwissenschaftliches Denken funktioniert. Gerade Kindern und Jugendlichen eröffnet das einen Zugang zu Themen, die im Unterricht leicht abstrakt wirken können. Auch das offizielle Frankfurter Museumsportal beschreibt die EXPERIMINTA deshalb als außerschulische Bildungseinrichtung, die Schwellenängste gegenüber Wissenschaft und Technik abbauen möchte.
Die Ausstellung entwickelt sich laufend weiter. Sonder- und Pop-up-Ausstellungen ergänzen die Dauerausstellung; ein digitaler Avatar vermittelt zusätzliche Informationen in elf Sprachen. Mit „EXPERIMINTA on Tour“ gehen einzelne Stationen sogar auf Reisen.
Vom Flugsimulator bis zum Feriencamp
Die EXPERIMINTA ist weit mehr als ihre Dauerausstellung. Workshops beschäftigen sich beispielsweise mit Robotik, Licht, Luft oder Naturkosmetik. Im IT-Feriencamp programmieren Kinder, bauen elektrische Schaltungen und arbeiten mit Mikrocontrollern und Robotern. Im Flugsimulator können Kinder und Erwachsene selbst ins virtuelle Cockpit steigen. Hinzu kommen Science Shows, Veranstaltungen wie die „Nacht im Museum“, Kindergeburtstage und besondere Angebote für Schul- und Jugendgruppen.
Gerade diese Verbindung aus Museum, Freizeitangebot und außerschulischem Lernort macht das Haus besonders. Schulklassen gehören seit der Eröffnung zu einem wichtigen Teil des Publikums. Die EXPERIMINTA arbeitet nach eigenen Angaben außerdem mit Schulen, Hochschulen, Universitäten und Unternehmen zusammen.
Eine Frankfurter Bürgerinitiative wird zum Erfolg
Begonnen hat alles 2006 mit einer Bürgerinitiative von zunächst fünf Menschen. Ihr Ziel war ein „Zentrum für mathematisch-naturwissenschaftliche Kultur“. Unterstützt wurde die Idee unter anderem vom Physikalischen Verein, der Goethe-Universität, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der IHK Frankfurt, der Stadt und dem Land Hessen.
Wie groß das Interesse war, zeigte sich schon 2007: Die provisorische Ausstellung „Experimentiere!“ im Physikalischen Verein zog innerhalb von nur vier Wochen rund 10.000 Besucherinnen und Besucher an. 2008 entstand daraus der Förderverein ExperiMINTa e.V.; am 1. März 2011 öffnete schließlich das ScienceCenter in der Hamburger Allee.
Das Experiment gelang. Schon 2017 wurde erstmals die Marke von 100.000 Gästen im Jahr überschritten. Nach den Corona-Jahren kamen 2022 wieder 75.500 Menschen, 2023 waren es 131.942 und 2024 noch einmal 124.304. Im Jahr 2025 konnte die EXPERIMINTA nach eigenen Angaben ihren insgesamt 1,3-millionsten Gast begrüßen.
Mit rund 125.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich zählt sich die EXPERIMINTA inzwischen zu den zehn meistbesuchten Frankfurter Museen und nennt Rang 7 unter 32 Häusern. Die Größenordnung wird auch in einer Anfrage und Antwort im Hessischen Landtag ausdrücklich aufgegriffen.
Bereits 2016 wurde das gesellschaftliche Engagement mit der Walter-Möller-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.
Ein wichtiger Nachbar für Bockenheim
Die Adresse Hamburger Allee 22–24 gehört amtlich zum Westend-Süd. Doch wer von der Bockenheimer Warte Richtung Messe läuft oder mit der Straßenbahn durch die Hamburger Allee fährt, erlebt die EXPERIMINTA als unmittelbaren Teil des Bockenheimer Umfelds. Die Haltestelle Varrentrappstraße liegt direkt vor der Tür, die Bockenheimer Warte ist zu Fuß in weniger als zehn Minuten erreichbar.
Auch politisch ist die Verbindung eng: Bockenheim und Westend gehören gemeinsam zum Ortsbezirk 2. Als die Zukunft der EXPERIMINTA unsicher wurde, beschäftigte sich der Ortsbeirat wiederholt mit ihrem Erhalt. Zeitweise wurde sogar die ehemalige Dondorf-Druckerei auf dem Bockenheimer Kulturcampus als möglicher neuer Standort ins Gespräch gebracht.
Für Bockenheim bedeutet die EXPERIMINTA mehr als zusätzliche Museumsbesucher. Familien, Schulklassen und Kindergruppen kommen in den Stadtteil und sein unmittelbares Umfeld, verbinden ihren Besuch mit der Bockenheimer Warte, dem Senckenbergmuseum, dem Palmengarten oder anderen Einrichtungen in der Nachbarschaft. Ein stark besuchter Bildungsort dieser Art gehört zur kulturellen und wissenschaftlichen Vielfalt, die Bockenheim und das ehemalige Universitätsviertel seit Jahrzehnten prägt.
Und nach 2026?
Ausgerechnet zum 15-jährigen Bestehen ist die Zukunft der EXPERIMINTA offen. Das Land Hessen, dem das Gebäude in der Hamburger Allee gehört, hat mit dem Museum vereinbart, das Mietverhältnis nur noch bis Ende 2026 fortzuführen. Nach Angaben der Landesregierung bestehen massive Feuchtigkeitsschäden in den Untergeschossen; eine weitere Nutzung würde eine umfangreiche Sanierung erfordern, die im laufenden Betrieb nicht möglich wäre. Das Land hält eine eigene Sanierung zudem für unwirtschaftlich.
Im März 2026 erklärte die Landesregierung, der EXPERIMINTA seien mehrere landeseigene Gebäude angeboten worden und das Museum prüfe ein konkretes Angebot in Frankfurt. Doch auch Monate später war öffentlich weiterhin nicht bekannt, wo dieses Gebäude liegt. Anfang August erklärte das Hessische Finanzministerium gegenüber der Presse lediglich, die Abstimmungen befänden sich „in den letzten Zügen“. Museumsleiterin Dr. Andrea Gassmann bestätigte, dass die Gespräche noch nicht abgeschlossen seien. Stand Ende August 2026 gibt es damit weiterhin keinen öffentlich bestätigten neuen Standort.
Das ist angesichts des nahenden Jahresendes beunruhigend. Ein Museum mit rund 200 Experimentierstationen und einer Ausstellungsfläche von etwa 2.500 Quadratmetern zieht nicht innerhalb weniger Wochen um. Ein neuer Standort muss groß genug, gut erreichbar und für ein interaktives Museum technisch geeignet sein.
Dass auch Darmstadt und Offenbach Interesse an der EXPERIMINTA gezeigt haben, unterstreicht ihren Wert – sollte Frankfurt aber erst recht zum Handeln bewegen.
Keine Experimente mit EXPERIMINTA!
Frankfurt würde mit der EXPERIMINTA einen erfolgreichen Bildungsort verlieren, der über viele Jahre gewachsen ist, mehr als eine Million Menschen erreicht hat und Kindern einen spielerischen Zugang zu Wissenschaft ermöglicht.
Die EXPERIMINTA sollte deshalb in Frankfurt bleiben – und aus Bockenheimer Sicht am liebsten in oder möglichst nahe bei Bockenheim. Hier ist das Museum seit 2011 verwurzelt, hier kennt man es, hier ist es hervorragend mit Bus, Bahn und Straßenbahn erreichbar. Ein neuer Standort im vertrauten Umfeld wäre auch für Schulen, Familien, Beschäftigte und Ehrenamtliche ein Gewinn.
Experimentieren gehört zur EXPERIMINTA. Mit ihrer Zukunft darf man es nicht tun!
Endlich begreifen
In unserem Wort „begreifen“ steckt das Greifen. Das passt erstaunlich gut zur EXPERIMINTA: Manches verstehen wir erst, wenn wir es selbst anfassen, ausprobieren und erfahren dürfen. Neugier braucht Raum – bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen. Solche Räume sollte eine Stadt bewahren.
EXPERIMINTA ScienceCenter FrankfurtRheinMain
Hamburger Allee 22–24, 60486 Frankfurt am Main
Straßenbahn: Haltestelle Varrentrappstraße, Linien 16 und 17
Aktuelle Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Veranstaltungen:
https://www.experiminta.de/