Q wie Querdenken (aber bitte mit Verstand)

„Es gibt Leute, die immer querdenken, weil geradeaus überwiegend nichts geht.“
Willy Meurer

Die meisten Menschen lieben feste Gewohnheiten. Die Tasse Kaffee am Morgen aus einer bestimmten Tasse. Die Art, die Autotür aufzuschließen oder der immer gleiche Fuß, der sich beim Aufsteigen auf das Fahrrad auf die Pedale setzt. Schon ohne darüber nachzudenken, ob es auch anders ginge, vollführen wir im Alltag automatisierte Handlungen. Auch Gewohnheiten wie ein Besuch bei den Eltern am ersten Weihnachtstag geben Sicherheit, Wohlfühleffekt, Stabilität, Zuverlässigkeit...

Geradlinigkeit und Struktur hilft sicher ganz häufig, das Leben routiniert und gelassen zu gestalten. Immer wieder darüber nachzudenken, wie eine Autoschaltung zu nutzen ist, würde viel zu viel Gehirnkapazität benötigen. Kommt es auf Grund von Widrigkeiten einmal zu einer Abweichung von gewohnten Bewegungs- oder Handlungsabläufen, gerät die Ordnung ins Wanken. Haben Sie schon einmal eine Schere mit der linken/rechten Hand nutzen müssen, weil die rechte/linke Hand verhindert war? Menschen, die schon mehrfach ihre Pläne ändern mussten oder gezwungen waren, mit Kreativität und Umdenken ein Ziel zu erreichen, haben darin Erfahrungen sammeln können.

Stehen dann Aufgaben oder Entscheidungen wie ein scheinbar unüberwindbarer Berg vor uns, kann „Querdenken“ hilfreich sein. Manchmal kann eine Lösung so einfach sein – wenn man auch mal ganz woanders danach sucht. Und das geht am besten, indem man die Einbahnstraße der üblichen Gedankengänge verlässt. Ohne Querdenken gäbe es keinen Fortschritt. Genies wie Einstein, Forscher, Künstler und Philosophen haben unser Leben durch neue Denkweisen revolutioniert.

Ob im Beruf oder im Alltag – vieles wird leichter, wenn man unkonventionell und nicht mit strenger Logik an eine Fragestellung herangeht.
Querdenken ist die Fähigkeit, in neuen und ungewohnten Situationen nicht einfach schematisch nach alten Mustern zu reagieren. Querdenken macht es möglich, die spezifischen Eigenheiten und Chancen der neuen Situation zu erfassen und in origineller Weise zu nutzen. Dadurch wird es möglich, sich vom Erwartungsdruck der Umgebung zu lösen, statt in alte Reaktionsweisen zurück zu fallen.

In der letzten Urlaubswoche im Sommer war ich mit meinem Fahrrad unterwegs und konnte den gewohnten Weg nicht nehmen, weil eine Baustelle die Durchfahrt versperrte. Nach einem kleinen Anflug von Ärger umfuhr ich dieses Hindernis und entdeckte einen kleinen Badesee mitten im Osthafengebiet in Frankfurt. Dieser Ort (das Vereinsgelände eines Frankfurter Schwimm-Clubs) ist ein wirkliches Kleinod, dass ich nicht entdeckt hätte, wäre ich meinen gewohnten Weg gefahren.

Nehmen Sie auf Ihrem Weg nach Hause einmal einen anderen als den gewohnten und schnellsten Weg. Vielleicht entdecken Sie Ihre Stadt einmal ganz anders. Vielleicht schätzen Sie danach den gewohnten Weg noch mehr. Vielleicht entdecken Sie aber auch Ihr Kleinod mitten in Ihrer Umgebung.

Ein Querdenker wird nicht auf das Schubkastendenken verzichten, wenn die Situation offenkundig erlaubt, sich auf Automatismen zu stützen. Er wird aber zumindest seine Augen offenhalten und darauf achten, falls sich etwas unerwartet anders entwickeln sollte.

Ein Übungsvorschlag für die kommenden vier Wochen:
Besuchen Sie doch mal Ihre Eltern nicht am ersten Weihnachtstag, sondern außer der Reihe.
Trinken Sie doch mal bewusst Ihren Kaffee mit der Ihnen ungewohnten Hand.
Entscheiden Sie, wenn Sie normalerweise total pünktlich sind, wenigstens einen Tag in der Woche zum Unpünktlichkeitstag zu deklarieren.
Machen Sie es einfach mal anders! Beobachten Sie sich dabei! Wie fühlt es sich an, wenn Sie etwas anders, „quergedacht oder“ oder „quer gemacht“ haben?


Anmerkung:
Aktuell wird der Begriff „Querdenken“, auch im Zusammenhang mit Protesten gegen die Maßnahmen in Bezug auf die Corona-Pandemie verwendet. Sicherlich ist es wichtig viele Lebensthemen und auch kleinere Situationen mal anders zu denken. Im Zusammenhang mit den Hygienemaßnahmen und Vorgaben, die ich für unser aller Gesundheit für sinnvoll halte, denke ich reflektiert aber bleibe konform mit den wenigen Beschränkungen, die Infektionen geringer halten sollen und können. Hier denke und handle ich persönlich nicht quer. Auf YouTube habe ich zum sicheren Tragen von Mund-Nasenschutz bereits im April eingestellt: https://www.youtube.com/watch?v=jC1AoJop_HI

Mein Gedächtnis sagt mir: Du hast es getan.
Mein Stolz sagt mir: Du hast es nicht getan.
Schließlich gibt mein Gedächtnis nach.

(Nietzsche)

Herzlichst
Ihre Pia Kruse




 

Pia Kruse Beratung-Coaching-Therapie

P wie "Pareto-Prinzip"

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